Die Idee einer nachhaltigen Ernährung fußt laut Karl von Koerber auf vier Dimensionen: Gesundheit, Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft. [1] Sich nachhaltig zu ernähren bedeutet demnach, die Konsequenzen unserer Ernährung innerhalb der Dimensionen möglichst nachhaltig zu gestalten.

Eine Hand, die ein Maßband als Symbol der Gewichtsproblematik und Fettleibigkeit durch ungesunde Ernährung hält

Gesundheit

Die Dimension Gesundheit geht auf ein globales Problem ein. Auf der einen Seite leben Menschen, im Hinblick auf die Ernährung, im Überfluss. Das bedeutet einen hohen Konsum von Fleischprodukten, ungesunden Süßigkeiten und Fertigprodukten. Im Jahr 2016 betrug die Zahl der Übergewichtigen (18 und älter) 1,9 Milliarden Menschen. Laut der World Health Organization hat sich das Krankheitsbild der Fettleibigkeit seit 1975 verdreifacht. [2] Auf der anderen Seite leidet ein großer Teil der Menschheit an Nahrungsmittelknappheit. Geschätzte 815 Millionen Menschen haben nicht genug zu essen. [3]

Viele LKWs, die beim Lebensmittel Transport CO2 produzieren und ökologische Schäden verursachen

Umwelt – die ökologische Dimension

Im Mai 2019 hätte es für Deutschland eigentlich heißen müssen: Ressourcen-Stopp! Innerhalb der ersten fünf Monaten des Jahres, hatte das Land all die Ressourcen verbraucht, die für ein ganzes Jahr hätten reichen sollen. [4] So sieht es aktuell in vielen Industrieländern aus: natürliche Ressourcen werden überbeansprucht, das heißt sie werden immer knapper. Unsere Ernährung trägt einen nicht unerheblichen Teil dazu bei. Über die ganze Produktionskette hinweg, also von Erzeugung bis hin zum Transport unserer Lebensmittel, entstehen ökologische Schäden, wie zum Beispiel der weltweite CO2-Ausstoß. [5]

Eine Hand, die das beliebte Fertiggericht Pizza hält

Gesellschaft – die soziale Dimension

Mit der Hoffnung auf Arbeit, ein besseres Leben und eine bessere Zukunft fliehen viele Menschen aus der ländlichen Umgebung in die Städte. Das ernährungstechnische Resultat dieser Landflucht heißt „nutrition transition“ [6]. Mit dem Verlassen der heimatlichen Region ändern sich demnach auch die Essgewohnheiten: es wird mehr Fleisch verzehrt und öfter zu Fertiggerichten gegriffen – mit gesundheitsschädlichen Folgen. Unter die Gesellschaftsdimension fällt auch die Tatsache, dass für die Produktion vieler Produkte, die in westlichen Ländern nachgefragt sind, menschenunwürdige Bedingungen herrschen. Kinderarbeit ist dabei keine Seltenheit. [7]

Einkaufswagen eines guenstigen Supermarktes

Wirtschaft – die ökonomische Dimension

Laut des Jahresberichts von 2018 von der Bundesvereinigung der deutschen Ernährungsindustrie ist die Ernährungsindustrie die viertgrößte Branche Deutschlands. [8] Was in den letzten Jahren immer deutlicher wurde, ist zu einem Teufelskreis geworden. Wenn Verbraucherpreise immer weiter sinken, dann kommt es zu einer existenziellen Bedrohung für viele Lebensmittelproduzenten. Sinkende Milchpreise und die damit verbundenen Aufstände der Milchbauern in Deutschland haben gezeigt, dass faire Preise für eine funktionierende Wirtschaft unumgänglich sind. [9]

Ein Tisch an dem Leute gemeinsam essen

Die fünfte Dimension: Kultur

Koeber erweiterte seine Betrachtungen auf eine weitere Dimension: die Kultur. Er bezieht sich auf die Veränderung des Stellenwertes von Essen. [10] Viel zu wenig Beachtung und Zeit widmen wir laut Koeber dem Vorgang des Essens, mehr und mehr passiert nebenbei. Zusätzlich wird viel Vorgefertigtes gegessen, zu viele tierische Produkte werden konsumiert, zu wenig wird auf den Zuckergehalt geachtet, zu viel wird zu billig gekauft. [11] In Summe hat dies zur Folge, dass sich die Menschen immer weniger mit Lebensmitteln, ihrer Herkunft und Qualität und deren Zubereitung auseinandersetzen. Dementgegen ist eine Bewegung entstanden, die diesen Faktoren umso mehr Beachtung schenkt. Für diese Menschengruppe hat der gesunde Genuss mit gutem Gewissen Priorität. [12]

Grundsätze [13] für eine nachhaltige Ernährung nach Koerber:

  1. Bevorzugung pflanzlicher Lebensmittel
  2. Ökologisch erzeugte Lebensmittel
  3. Regionale und saisonale Erzeugnisse
  4. Bevorzugung gering verarbeiteter Lebensmittel
  5. Fair gehandelte Lebensmittel
  6. Ressourcenschonendes Haushalten
  7. Genussvolle und bekömmliche Speisen

Detailliertere Informationen zu den jeweiligen Grundsätzen findest du in diesem Dokument.

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[1] Koerber von, K. (2010). Onlinequelle. Für Dimensionen der Nachhaltigen Ernährung und weiterentwickelte Grundsätze – Ein Update. Erreichbar unter: https://www.nachhaltigeernaehrung.de/fileadmin/Publikationen/aid_eif_Nachhaltige_Ernaehrung_Koerber_09-2014__Lit.pdf.

[2] World Health Organization (2018). Onlinequelle. Obesity and overweight. Erreichbar unter:   https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/obesity-and-overweight.

[3] Welthungerhilfe (2019). Onlinequelle. Hunger: Facts & Figures. Erreichbar unter:  https://www.welthungerhilfe.org/hunger/.

[4] Frankfurter Allgemeine (2019). Onlinequelle. Deutschland hat bis Mai seine Ressourcen fürs ganze Jahr verbraucht. Erreichbar unter: https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/deutschland-hat-bis-mai-seine-ressourcen-fuers-ganze-jahr-verbraucht-16167605.html.

[5] siehe [1]

[6] Foodsource (2018). Onlinequelle. Erreichbar unter: https://www.foodsource.org.uk/building-blocks/what-nutrition-transition.

[7] International Labour Office (2013). Onlinequelle. Marking progress against child labour: Global estimates and trends 2000-2012. Erreichbar unter: https://www.ilo.org/wcmsp5/groups/public/—ed_norm/—ipec/documents/publication/wcms_221513.pdf.

[8] Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (2019). Onlinequelle. Ernährungsindustrie.2018. Erreichbar unter: https://www.bve-online.de/presse/infothek/publikationen-jahresbericht/bve-statistikbroschuere2018.

[9] siehe [1]

[10] siehe [1]

[11] Lemke, H. (2010). Klimagerechtigkeit und Esskultur – oder »Lerne Tofuwürste lieben!«, in : A. Ploeger/ G. Hirschfelder (Hrsg.), Der Essalltag als Herausforderung der Zukunft. Frankfurt/New York.

[12] siehe [1]

[13] siehe [1]