Lebensmittelverschwendung stellt ein großes Problem der heutigen Gesellschaft dar und gerade bei den Themen nachhaltig einkaufen, essen gehen oder kochen stellt sich die Frage: was passiert mit übrig gebliebenen Lebensmitteln?

Lebensmittelverschwendung auf einen Blick

Laut der Umweltorganisation WWF beläuft sich die Lebensmittelverschwendung allein in Deutschland auf ein Ausmaß von rund 18 Millionen Tonnen weggeworfener Lebensmittel pro Jahr, wobei 10 Millionen Tonnen dieser Lebensmittel noch genießbar gewesen wären. Am Tag werden somit 27.041 Tonnen verzehrbarer Lebensmittel entsorgt. Jede Sekunde landet in Deutschland somit 313 Kilogramm vermeidbarer Abfall in unserer Tonne. [1]
Viele der Lebensmittel werden tatsächlich sogar vor einem ersten Gebrauch entsorgt. Gründe hierfür sind, laut einer Studie des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft, vor allem Haltbarkeitsprobleme und falsch kalkulierte Einkaufsmengen. Rund 6% der Befragten gaben an, dass von ihnen Lebensmittel weggeworfen wurden, weil das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen war. Rund 45% dieser Lebensmittel landeten im Haushaltsmüll, ohne überhaupt geöffnet zu werden. [2] Laut einer Umfrage von Statista ist knapp 75% der Befragten Personen das hohe Ausmaß der Verschwendung an Lebensmitteln bewusst. [3]

Was kannst du gegen Lebensmittelverschwendung tun?

Ein Lebensmittel wird laut Duden grundsätzlich als eine „Ware zum Essen oder Trinken, die zum Bedarf des täglichen Lebens gehört“ [4] definiert. Dies bedeutet, dass die richtige Kalkulation der Lebensmittelmengen für den täglichen Bedarf essenziell ist. Wie aber kalkuliert man richtig und welche Tipps können Abhilfe bei der Verschwendungsproblematik schaffen?
Die hilfreichsten Ideen haben wir nachfolgend zusammengefasst.

Richtige Lagerung von Lebensmitteln

Um Lebensmittel länger genießen zu können, sollten diese sachgemäß gelagert werden. Dadurch soll der Verderb der Produkte, also die Veränderung der Bestandteile dieser Lebensmittel, verlangsamt werden. [5] Damit so wenig Keime wie möglich an die Lebensmittel gelangen ist die richtige Temperatur ein wichtiger Faktor im Lagerungsprozess. Gerade verderbliche Lebensmittel sollten unbedingt im Kühlschrank gelagert werden, weil bei niedrigeren Temperaturen der chemische Verderb verringert werden kann. [6]

Die Bundesinitiative „Zu gut für die Tonne“ schlägt vor, Lebensmittel wie folgt im Kühlschrank zu lagern [7]:

  • Oberstes Fach (ca. 8 °C): Käse, Zubereitetes
  • Mittleres Fach (ca. 5 °C): Milchprodukte
  • Unterstes Fach über der Schublade: Leicht Verderbliches wie Fleisch, Fisch, Geflügel, Feinkostsalate, angebrochene Packungen
  • Schublade ganz unten (ca. 9 °C): Obst und Gemüse (Ausnahme: kälteempfindliches Obst wie exotische Früchte oder wasserhaltiges Gemüse gehören gar nicht in den Kühlschrank)
  • Tür: Eier, Butter, Milch, Dressing, Saucen, Tuben, Marmelade, Getränke

Einige Obst und Gemüsesorten sollten nicht zusammengelagert werden. Hierzu zählt das sogenannte klimakterischen Obst und Gemüse. Diese Obst- und Gemüsesorten versprühen ein gasförmiges Hormon namens Ethylen, welches den Reifeprozess beschleunigt. Hierzu zählen unter anderem Äpfel, Tomaten und Avocados. [8]

Neben dem richtigen Lagern von Lebensmitteln, kannst du durch sparsame und clevere Tricks deine Ernährung nachhaltiger gestalten. Dabei hilft dir unter anderem unser nachhaltiger Koch-Guide mit vielen leckeren Rezepten! Außerdem kannst du besipielsweise auch diesen einfachen Tipp anwenden, um Gemüse nachhaltig zu verwerten:

Mindesthaltbarkeitsdatum als Richtwert ansehen

Das Mindesthaltbarkeitsdatum wird von vielen Verbrauchern oft falsch verstanden. Dabei gibt es lediglich an bis zu welchem Zeitpunkt der Hersteller die Qualität des Produktes garantieren kann. Es dient somit als Richtwert für den Verbraucher. [9] Innerhalb des Mindesthaltbarkeitsdatums wird vom Hersteller beispielsweise der produktübliche Geschmack des Produktes gewährleistet. [10] Viele Artikel können auch nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums verzehrt werden.
Doch wie lassen sich noch genießbare Lebensmittel erkennen, die bereits das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten haben? Die Verbraucherzentrale Hamburg hat hierzu „Tipps & Tricks zur Lebensmittelrettung“ bereitgestellt. Schau sie dir hier genauer an. [11]

Resteverwertung und optimierter Einkauf

Viele Lebensmittel können auch noch nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums bedenkenlos genossen werden. Wichtig hierbei ist es vor allem auf seine Sinne zu achten. Oftmals sind Aussehen, Geruch und Geschmack eindeutige Indikatoren zur Identifizierung der Haltbarkeit der Produkte.

Außerdem kannst du in diesem Video sehen, wie du die Haltbarkeit von Eiern ganz einfach selbst testen kannst! In unserem nachhaltigen Koch-Guide findest du leckere Rezepte, bei denen du Eier verwenden kannst!

If you care – Share!

Im Saarland und insbesondere in der Saarbrücker Innenstadt gibt es diverse Möglichkeiten für Unternehmen die Lebensmittelverschwendung einzudämmen. Mit verschiedenen Aktionen lassen sich übrig gebliebene Lebensmittel zu einem geringen Preis retten.

Too Good To Go

Im 990.509 [12] Einwohner großen Saarland werden im Jahr rund 223.000 Tonnen Lebensmittel weggeworfen. [13] Wer dagegen etwas tun möchte kommt nicht um die Lebensmittelretter App „Too Good To Go“ herum. Im Saarland nehmen viele Unternehmen der Lebensmittelbranche daran teil. In der App werden dem Benutzer teilnehmende Läden in unterteilten Lebensmittelkategorien angezeigt. Ob Backwaren oder Sushi, die Bedienung der App ist gleich:

  1. Bevorzugten Laden auswählen.
  2. Auf „Jetzt kaufen“ klicken und bezahlen.
  3. Das Überraschungspaket mit den Überbleibseln vom Tag zu einem reduzierten Preis zur vorgegebenen Zeit im Laden abholen.
  4. Tipp: Eigene Tasche/eigenen Beutel mitbringen und somit einen nachhaltigen Transport garantieren.

Link zur Seite: https://toogoodtogo.de/de

Foodsharing/Foodsaver

Eine andere Möglichkeit der Lebensmittelrettung im Saarland ist die Teilnahme an der Initiative „Foodsharing“. Hier hat man die Möglichkeit sich als „Foodsaver“, also Essensretter, zu registrieren und in Kontakt mit anderen Mitgliedern zu kommen. Überschüssige, aber noch genießbare Lebensmittel kann man hier an andere Mitglieder der Gemeinschaft weitergeben und/oder abholen. Dies geschieht über sogenannte „Fairteiler“. Das sind Kühlschränke, die für jeden zugänglich sind. Dort kann man entweder Lebensmittel hineinstellen oder sich an Übriggebliebenem bedienen. Ein solcher Kühlschrank steht zum Beispiel im Nauwieser Viertel in Saarbrücken. Aber nicht nur Privatpersonen können bei „Foodsharing“ teilnehmen, auch Unternehmen haben die Möglichkeit sich zu engagieren. Die Initiative ist kostenlos und jeder darf daran partizipieren.

Link zur Seite: https://foodsharing.de/

Welche Restaurants machen mit bei den Aktionen? In unserem nachhaltigen Restaurant-Guide erfährst du mehr.

Hast du dich auf unserer Seite gründlich über das Thema Nachhaltigkeit und nachhaltige Ernährung informiert? Teste dein Wissen in unserem Quiz!


[1] WWF Deutschland (2017). Onlinequelle. Das große Wegschmeißen. Erreichbar unter: https://www.wwf.de/themen-projekte/Landwirtschaft/ernaehrung-konsum/das-grosse-wegschmeissen/.

[2] Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (2019). Onlinequelle. Deutschland, wie es isst: Der BMEL-Ernährungsreport 2019. Erreichbar unter: https://www.bmel.de/DE/themen/ernaehrung/ernaehrungsreport2019.html.

[3] Statista (2019). Onlinequelle. Wussten Sie, dass in Deutschland jedes Jahr ca. 18 Millionen Tonnen hochwertiger Lebensmittel weggeworfen werden? Erreichbar unter: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/738244/umfrage/kenntnis-des-themas-lebensmittelverschwendung-in-deutschland/.

[4] Duden (2019). Onlinequelle. Erreichbar unter: https://www.duden.de/rechtschreibung/Lebensmittel.

[5] Dr. Schulze, G. (2019). Onlinequelle. Verderb. Erreichbar unter: https://www.lgl.bayern.de/lebensmittel/hygiene/verderb/index.htm.

[6] Bundeszentrum für Ernährung (2019). Onlinequelle. Lebensmittel richtig lagern: Wie lagern Lebensmittel am besten? Erreichbar unter: https://www.bzfe.de/inhalt/lebensmittel-richtig-lagern-645.html.

[7] Bundesministerium für Ernährung und Landwirschaft (2019). Onlinequelle. Im Kühlschrank: Was gehört wohin?

[8] Rimbach, G. / Möhring, J. / Erbersdobler, H.F. (2010). Lebensmittel-Warenkunde für Einsteiger. Heidelberg / Berlin: Springer Spektrum Verlag.

[9] Evers, K. W. (2015). Wer is(s)t schon gesund? Vom richtigen Umgang mit Lebensmitteln. 1. Aufl. Axoxa.

[10] Dr. Wöllauer, P. (2012). Kein Essen in den Müll! Kampf der Lebensmittelverschwendung. 1. Aufl. Norderstedt: Books on Demand GmbH.

[11] Verbraucherzentrale Hamburg e.V. (2019). Onlinequelle. So erkennen Sie, ob Lebensmittel noch gut sind: Tipps und Tricks zur Lebensmittelrettung. Erreichbar unter: https://www.vzhh.de/sites/default/files/medien/136/dokumente/vzhh_Verbraucherzentrale_Checkliste_So-erkennen-Sie-ob-Lebensmittel-noch-gut-sind_4_Auflage_Web.pdf.

[12] Statista (2019). Onlinequelle.  Einwohnerzahl im Saarland von 1960 bis 2018. Erreichbar unter: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/155163/umfrage/entwicklung-der-bevoelkerung-des-saarlands-seit-1961/.

[13] WWF Deutschland (2018). Onlinequelle. Zu gut für den Abfalleimer. Erreichbar unter: https://www.wwf.de/2018/april/zu-gut-fuer-den-abfalleimer/.